Richtfest 2006

Im Spätherbst 2006 war es endlich so weit. Nach einigen Wochen Verzögerung konnte das neue Schulhaus bezogen werden. Große, helle und farbig gestaltete Räume erwarteten die Kinder, Jugendlichen und LehrerInnen.
Jedes Klassenzimmer hat einen Nebenraum. Die Flure laden zum Begegnen, Spielen und Toben ein.
Die Jugendlichen freuen sich, dass sie endlich Werkstätten zur Verfügung stehen.
Leider warten der Saal, der Musik- der Eurythmieraum und der Verwaltungstrakt noch auf die Fertigstellung.
Das Außengelände wollen dieses Jahr Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer gemeinsam bepflanzen.

Am 19. Mai 2006 fand unter großer Beteiligung der befreundeten Einrichtungen, der Schüler, Eltern und Freunde unserer Schulgemeinde sowie der Handwerker das Richtfest für das neue Schulgebäude statt.
Ca. 300 Menschen standen im Rund der Baustelle als die Mittelstufenschüler der Freien Waldorfschule mit ihrem Bläserchor das Fest eröffneten. Neben vielen Freunden durften wir als engagierte Unterstützerin des freien Schulwesens unsere neue Landtagsabgeordnete Frau Helen Heberer MdL begrüßen.

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Hans Müller-Wiedemann

geboren 1924, verstorben 1996, studierte Medizin in Tübingen bei Viktor von Weizsäcker (Gestaltkreis), lernte bei Alexander Mitscherlich die Psychoanalyse kennen, promovierte über Jean Piaget, bevor er sich als Schüler Karl Königs ganz der anthroposophischen Heilpädagogik zuwendete.
Als Arzt betreute er sehr viele Kinder, zunächst in Schottland, dann einige Jahre in Südafrika, um 1966 an den Bodensee zu übersiedeln, wo er gemeinsam mit seiner Frau die Heimsonderschule Brachenreuthe aufbaute.
Sein besonderes Forschungsinteresse galt dem Autismus. Er bemühte sich stets um ein vertieftes Verständnis der Lebenswelt des Kindes. Dabei galt seine Aufmerksamkeit den Gefährdungen des heranwachsenden Menschen. Er setzte sich immer wieder kritisch mit einer rigiden Bildungsplanung, mit biologistischen und technologischen Sichtweisen vom Menschen auseinander und zeigte ihre Bedrohungen für individuelles menschliches Dasein auf.
So kämpfte er bereits in den 70er Jahren gegen die pränatale Diagnostik, die für ihn nur der Vorreiter einer Entwicklung war, die Behinderungen zu verhindern vorgibt, aber Menschen mit Behinderung letztlich das Lebensrecht abspricht.
Hans Müller-Wiedemann hat wie kein anderer anthroposophischer Heilpädagoge über Jahrzehnte hin den fachlichen Diskurs zur Kinder- und Jugendpsychiatrie und zur akademischen Sonderpädagogik gesucht. Er hat auf vielen wissenschaftlichen Kongressen und Symposien Vorträge gehalten.
So hat er als Vortragender und Dozent in verschiedenen Ausbildungsstätten junge Menschen für die Aufgabe der Heilpädagogik begeistern können. Dabei war er niemals dogmatisch.
Dr. Hans - wie er von den Brachenreuther Kindern liebevoll genannt wurde - war ein geduldiger Zuhörer, und am Ende eines Gespräches mit ihm wurde man oft mit einer neuen Fragestellung oder einem neuen Gedanken verabschiedet.
In dieser Offenheit der Welt gegenüber - einhergehend mit einem klaren Bekenntnis zur geisteswissenschaftlichen Erkenntnismethodik - fühlt sich das Kollegium der Hans Müller-Wiedemann Schule mit ihrem Namenspatron verbunden.