Leitgedanken

Wir sind eine freie heilpädagogische Schule für Kinder und Jugendliche mit erhöhtem, individuellem Förderbedarf, die auf Grundlage des anthroposophischen Menschenbildes und nach Methoden der Waldorfpädagogik arbeitet. Wir verstehen den Menschen als geistig-seelische und physische Individualität. Wir sind eine christlich ausgerichtete, nicht konfessionell gebundene Schule.

Wir arbeiten mit dem Ziel, dem Wesen jedes einzelnen Schülers so nahe wie möglich zu kommen mittels der Erkenntnismethodik der Geisteswissenschaft nach Rudolf Steiner.

Die Schulgemeinschaft wird gebildet durch Schüler, Lehrer, Mitarbeiter und Eltern. Die Schüler "werden in Ehrfurcht aufgenommen, in Liebe erzogen, in Freiheit entlassen." (Rudolf Steiner) Das Kollegium, bestehend aus Mitarbeitern und Lehrern, führt die Schule in Selbstverwaltung. Die Lehrer tragen die Verantwortung für alle pädagogischen Entscheidungen. Die Eltern sind Mitgestalter des Schullebens.

Unsere Schule bietet den Schülern den Raum, Mitgefühl zu entwickeln, Achtung gegenüber dem anderen zu entfalten und soziale Fähigkeiten zu entdecken bzw. zu üben. Unsere Unterrichtsinhalte orientieren sich sowohl am Lebensalter als auch an der individuellen Entwicklung der Schüler.

In grundlegender Wertschätzung des Soseins eines jeden Schülers bemühen wir uns, seine Persönlichkeit so zu fördern,

  • dass er sich entsprechend seiner Möglichkeiten in die Welt stellen kann,
  • dass er sich mit seinem Denken, Fühlen und Wollen hier beheimatet und 
  • seinen geistigen Ursprung nicht vergisst. 

Das Kollegium der Hans Müller-Wiedemann Schule

Hans Müller-Wiedemann

Hans Müller-Wiedemann, geboren 1924, verstorben 1996, studierte Medizin in Tübingen bei Viktor von Weizsäcker (Gestaltkreis), lernte bei Alexander Mitscherlich die Psychoanalyse kennen, promovierte über Jean Piaget, bevor er sich als Schüler Karl Königs ganz der anthroposophischen Heilpädagogik zuwendete.

Als Arzt betreute er sehr viele Kinder, zunächst in Schottland, dann einige Jahre in Südafrika, um 1966 an den Bodensee zu übersiedeln, wo er gemeinsam mit seiner Frau die Heimsonderschule Brachenreuthe aufbaute.

Sein besonderes Forschungsinteresse galt dem Autismus. Er bemühte sich stets um ein vertieftes Verständnis der Lebenswelt des Kindes. Dabei galt seine Aufmerksamkeit den Gefährdungen des heranwachsenden Menschen. Er setzte sich immer wieder kritisch mit einer rigiden Bildungsplanung, mit biologistischen und technologischen Sichtweisen vom Menschen auseinander und zeigte ihre Bedrohungen für individuelles menschliches Dasein auf.

So kämpfte er bereits in den 70er Jahren gegen die pränatale Diagnostik, die für ihn nur der Vorreiter einer Entwicklung war, die Behinderungen zu verhindern vorgibt, aber Menschen mit Behinderung letztlich das Lebensrecht abspricht.

Hans Müller-Wiedemann hat wie kein anderer anthroposophischer Heilpädagoge über Jahrzehnte hin den fachlichen Diskurs zur Kinder- und Jugendpsychiatrie und zur akademischen Sonderpädagogik gesucht. Er hat auf vielen wissenschaftlichen Kongressen und Symposien Vorträge gehalten.

So hat er als Vortragender und Dozent in verschiedenen Ausbildungsstätten junge Menschen für die Aufgabe der Heilpädagogik begeistern können. Dabei war er niemals dogmatisch.

Dr. Hans - wie er von den Brachenreuther Kindern liebevoll genannt wurde - war ein geduldiger Zuhörer, und am Ende eines Gespräches mit ihm wurde man oft mit einer neuen Fragestellung oder einem neuen Gedanken verabschiedet.

In dieser Offenheit der Welt gegenüber - einhergehend mit einem klaren Bekenntnis zur geisteswissenschaftlichen Erkenntnismethodik - fühlt sich das Kollegium der Hans Müller-Wiedemann Schule mit ihrem Namenspatron verbunden.